ETF für Kinder anlegen: das Junior-Depot ehrlich erklärt

2026-06-06

Dieser Artikel richtet sich an Anleger in Deutschland — Steuerregeln und Broker-Beispiele gelten entsprechend.

Kurz gesagt: Ein ETF-Sparplan für Ihr Kind nutzt den mächtigsten Hebel beim Investieren — die Zeit. Selbst kleine Beträge können über 18 Jahre erheblich wachsen, und Kinder haben hohe eigene Steuerfreibeträge. Aber zwei Dinge müssen Sie wissen, bevor Sie starten: Das Geld gehört rechtlich Ihrem Kind, und ab dem 18. Geburtstag entscheidet es allein darüber. Hier die ehrliche Einordnung.

Warum so früh? Die Zeit ist der ganze Trick

Beim Investieren für Kinder haben Sie etwas, das sonst niemand hat: einen extrem langen Zeithorizont. Und Zeit ist der stärkste Faktor beim Zinseszins.

Ein Beispiel bei angenommenen 6 % pro Jahr (ein realistischer, aber nicht garantierter Durchschnitt für einen breit gestreuten Aktien-ETF):

  • 25 €/Monat von Geburt bis 18 → rund 9.700 € (eingezahlt 5.400 €)
  • 50 €/Monat → rund 19.400 € (eingezahlt 10.800 €)
  • 100 €/Monat → rund 38.700 € (eingezahlt 21.600 €)

Und jetzt die eigentliche Kraft der Zeit: Würde Ihr Kind die mit 18 angesparten rund 38.700 € einfach liegen lassen — ohne einen weiteren Cent einzuzahlen — bis zur Rente mit 67, wären daraus bei 6 % pro Jahr theoretisch mehrere Hunderttausend Euro. Das wichtigste Geschenk ist also nicht der Betrag, sondern der frühe Start.

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Das Junior-Depot: was es ist

Ein Junior-Depot (oder Kinderdepot) ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen des Kindes läuft. Die Eltern verwalten es als gesetzliche Vertreter, bis das Kind volljährig wird. Viele Banken bieten kostenlose ETF-Sparpläne ab kleinen Beträgen an.

Erlaubt sind ETFs, Fonds und Aktien. Riskante Produkte wie Krypto oder Hebelprodukte sind im Junior-Depot ausgeschlossen — was für langfristiges, ruhiges Sparen ohnehin sinnvoll ist.

Der große Vorteil: die Steuerfreibeträge des Kindes

Hier liegt der eigentliche Charme. Ihr Kind hat eigene Steuerfreibeträge — und die sind hoch. 2026 kommen zusammen:

  • der Grundfreibetrag von 12.348 € pro Jahr, plus
  • der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr.

Das bedeutet: Kapitalerträge von über 13.000 € im Jahr können beim Kind theoretisch steuerfrei bleiben — solange es keine weiteren Einkünfte hat. In der Praxis richten Eltern einen Freistellungsauftrag auf den Namen des Kindes ein, damit die Bank nicht automatisch Steuern abführt. Erwarten Sie höhere Erträge, gibt es zusätzlich die Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) vom Finanzamt, mit der die Bank gar keine Steuer einbehält.

Das ist ein echter Vorteil gegenüber dem Sparen im eigenen Depot, wo Ihr persönlicher Freibetrag schnell ausgeschöpft ist. Der Grund: Bei Ihnen als Erwachsenem ist der Grundfreibetrag in der Regel bereits durch Ihr Gehalt „belegt", sodass für Kapitalerträge effektiv nur der Sparerpauschbetrag von 1.000 € bleibt. Ein Kind hat normalerweise kein eigenes Einkommen — sein Grundfreibetrag steht also vollständig für Kapitalerträge zur Verfügung. Genau deshalb bleibt beim Kind so viel mehr steuerfrei als bei Ihnen selbst.

Die zwei Dinge, die Sie wissen müssen

Jetzt der ehrliche Teil — die Punkte, die in der Werbung gern untergehen.

1. Das Geld gehört rechtlich Ihrem Kind. Sobald es auf dem Junior-Depot ist, ist es das Vermögen des Kindes — nicht Ihres. Sie dürfen es nicht für eigene Zwecke verwenden, auch nicht in einer finanziellen Notlage. Investieren Sie dort also nur Geld, das wirklich und ausschließlich für Ihr Kind gedacht ist. (Ein Nebeneffekt: Dadurch ist das Geld auch vor Gläubigern der Eltern geschützt.)

2. Mit 18 entscheidet Ihr Kind — allein. Am 18. Geburtstag endet Ihre Verfügungsgewalt automatisch. Ihr Kind bekommt vollen Zugriff und kann mit dem Geld tun, was es will — es weiter anlegen oder komplett ausgeben. Das ist ein Punkt, über den man früh nachdenken und später offen sprechen sollte. Ein Depot über 30.000 € in den Händen eines 18-Jährigen ist eine große Sache — finanzielle Bildung gehört zum Geschenk dazu.

Ein praktischer Steuer-Hinweis

Ein Detail, das viele übersehen: Wenn das gesamte Depot mit 18 auf einen Schlag verkauft wird, können alle über die Jahre aufgelaufenen Gewinne in einem einzigen Jahr steuerlich anfallen — und der Freibetrag eines einzelnen Jahres reicht dann womöglich nicht. Die ungenutzten Freibeträge der Vorjahre verfallen. Wer das weiß, kann gegensteuern, indem über die Jahre regelmäßig kleine Gewinne realisiert werden, um die jährlichen Freibeträge auszunutzen. Das ist aber Feinschliff, kein Grund, nicht anzufangen.

Großeltern und Paten einbinden

Ein schöner Nebenaspekt: Nicht nur Eltern können einzahlen. Großeltern, Paten oder Verwandte können Geburtstags- und Weihnachtsgeld direkt ins Depot fließen lassen — oft sinnvoller als ein weiteres Spielzeug. Viele Familien starten mit einer kleinen monatlichen Rate und legen Geldgeschenke einmal im Jahr zusätzlich an.

Fazit

Ein ETF-Sparplan fürs Kind ist eine der wirkungsvollsten Arten, langfristig etwas aufzubauen — weil die Zeit voll für Sie arbeitet und die Steuerfreibeträge des Kindes großzügig sind. Wichtig ist nur, mit offenen Augen zu starten: Das Geld gehört dem Kind, und mit 18 übernimmt es das Steuer. Wer das von Anfang an einplant — und seinem Kind nebenbei beibringt, was ein ETF ist — macht aus dem Depot nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein erzieherisches Geschenk.