Häufig gestellte Fragen
Kurze, verständliche Antworten auf die häufigsten Einsteigerfragen. Durchsuchen oder unten nach Thema stöbern.
Grundlagen (UCITS, ETF)
- Was ist UCITS?
- UCITS ist das Qualitätssiegel der Europäischen Union für Investmentfonds. Steht das Wort „UCITS" im Namen eines ETF, bedeutet das, dass der Fonds strengen europäischen Regeln zu Diversifizierung, Transparenz und Schutz der Vermögenswerte entspricht. Für europäische Einsteiger ist das „UCITS" im Namen das wichtigste Zeichen dafür, dass der Fonds gekauft werden darf.
- Worin besteht der Unterschied zwischen einem ETF und einem gewöhnlichen Fonds?
- Ein ETF (Exchange-Traded Fund) wird wie eine Aktie an der Börse gehandelt – er lässt sich jederzeit während des Handelstages kaufen und verkaufen. Ein aktiv verwalteter Fonds (Investmentfonds) wird dagegen einmal täglich zum Schlusskurs bei der Verwaltungsgesellschaft erworben und hat in der Regel eine 5- bis 10-mal höhere Gebühr (1–2 % pro Jahr gegenüber 0,1–0,5 % beim ETF). Ein ETF ist zudem transparenter – seine Zusammensetzung wird täglich veröffentlicht.
- Was bedeutet „thesaurierend" (accumulating) und „ausschüttend" (distributing) bei einem ETF?
- Ein thesaurierender ETF legt die Dividenden automatisch innerhalb des Fonds wieder an – die Zahl Ihrer Anteile ändert sich nicht, doch sie steigen im Wert. Ein ausschüttender ETF zahlt die Dividenden vierteljährlich oder halbjährlich auf das Depotkonto aus. In Deutschland sind thesaurierende ETFs steuerlich meist bequemer (ein einziger Steuervorgang pro Jahr über die Vorabpauschale).
Die Wahl des ersten ETF
- Womit sollte ein Einsteiger in Deutschland anfangen?
- Ein Depot eröffnen und regelmäßig über einen Sparplan einen breit gestreuten weltweiten UCITS-ETF (VWCE oder IWDA) kaufen. Beliebte Broker mit automatischem Sparplan sind Trade Republic und Scalable Capital (Deutschland und einige EU-Länder), Trading 212 (Großteil der EU) sowie Interactive Brokers (überall in der EU). Versuchen Sie nicht, gleich ein komplexes Portfolio aufzubauen – das können Sie in ein bis zwei Jahren tun.
- VWCE oder IWDA – welcher ist die richtige Wahl?
- VWCE deckt rund 3.700 Unternehmen weltweit ab, einschließlich der aufstrebenden Märkte (China, Indien). IWDA deckt rund 1.400 Unternehmen ausschließlich aus den entwickelten Ländern ab (ohne Emerging Markets). Historisch schnitt IWDA dank des USA-Gewichts etwas besser ab, doch VWCE ist breiter gestreut. Für Einsteiger ist der Unterschied gering – beide ETFs eignen sich als „einer für immer".
- Wie hoch ist der Mindestbetrag für den Einstieg?
- Über einen Sparplan (Plan für regelmäßige Käufe) können Sie bei Trade Republic, Scalable Capital und vielen anderen Brokern bereits mit 10 € im Monat beginnen. Ein Sparplan kauft Bruchteile von ETF-Anteilen, weshalb 25–50 € im Monat bereits eine vollwertige Geldanlage darstellen. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Höhe der ersten Einzahlung. Beispiel: 25 €/Monat × 30 Jahre bei 7 % pro Jahr ≈ 30.000 €.
- Was ist die „5/10/40-Regel"?
- Das ist eine Diversifizierungsregel von UCITS: Der Grundgrenzwert je Emittent beträgt 5 %, er lässt sich auf 10 % anheben, allerdings unter der Bedingung, dass alle Positionen über 5 % zusammen nicht mehr als 40 % des Fondsvermögens ausmachen. Bei Index-ETFs (die einfach einen Börsenindex nachbilden) liegt die Grenze für ein einzelnes Unternehmen höher – bis zu 20 %, in Sonderfällen bis zu 35 %. Das schützt vor übermäßiger Konzentration.
Steuern (Deutschland)
- Wie versteuert man ETFs in Deutschland?
- In Deutschland gilt eine Abgeltungsteuer von 25 % auf Kapitalerträge (Dividenden und Verkaufsgewinne von ETFs) zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer (nicht auf den Gewinn – es ist ein „Zuschlag zur Steuer"). Insgesamt werden von einem Gewinn von 1.000 € rund 263,75 € einbehalten (also 26,375 % – ohne Kirchensteuer, die für Kirchenmitglieder hinzukommt). Die Teilfreistellung befreit dabei 30 % des Gewinns von Aktien-ETFs – der tatsächliche Satz liegt dadurch bei etwa 18,5 %. Seit 2018 gibt es außerdem die Vorabpauschale – eine vorausgezahlte Steuer auf thesaurierende ETFs, die einmal jährlich im Januar erhoben wird. Wenn sich Ihr Broker in Deutschland befindet, wird all das automatisch einbehalten – Sie müssen nichts selbst erklären.
- Was ist die Vorabpauschale?
- Es handelt sich um eine „vorausgezahlte Steuer" auf thesaurierende ETFs in Deutschland (seit 2018), die auf einen rechnerischen jährlichen Mindestertrag erhoben wird, selbst wenn Sie nichts verkauft haben. Die Höhe wird aus dem Basiszins der Bundesbank und dem Wert des ETF zu Jahresbeginn berechnet und ist auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Fonds im Jahr begrenzt (in einem Verlustjahr beträgt sie null). Sie wird vom deutschen Broker im Januar automatisch abgeführt – von Ihrer Seite ist nichts zu tun.
- Was ist die Teilfreistellung von 30 %?
- Das ist eine Vergünstigung für Aktien-ETFs in Deutschland: 30 % des Gewinns sind von der Steuer befreit. Der tatsächliche Satz für Aktien-ETFs liegt dadurch nicht bei 26,375 %, sondern bei etwa 18,5 %. Sie gilt automatisch – Sie müssen keine Anträge stellen. Diese Vergünstigung ist einer der Gründe, weshalb ETFs in Deutschland vorteilhafter sind als Direktanlagen in Aktien.
- Muss ich wegen ETFs eine Steuererklärung abgeben?
- Wenn Sie einen deutschen Broker haben – in der Regel nein, die Steuern werden automatisch einbehalten. Eine Steuererklärung (Anlage KAP) ist nötig, wenn: Ihr Broker im Ausland sitzt; Sie über den Sparerpauschbetrag Steuern zurückholen möchten (1.000 €/Jahr bleiben steuerfrei, sofern Sie einen Freistellungsauftrag erteilt haben); Sie Verluste aus Verkäufen hatten, die Sie verrechnen möchten. Tipp: Erteilen Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag – das ist kostenlos und automatisiert die Erstattung.
Portfoliostrategie
- Wie viele ETFs sollte das Portfolio eines Einsteigers enthalten?
- Einer reicht bereits aus. Wenn Sie VWCE oder IWDA kaufen, besitzen Sie schon einen Anteil an Tausenden Unternehmen weltweit. Eine Verkomplizierung ist nur dann sinnvoll, wenn Sie einen konkreten Grund haben – etwa, wenn Sie die aufstrebenden Märkte stärker oder die USA schwächer gewichten möchten. Die meisten erfahrenen Anleger in Deutschland halten 1–3 ETFs – nicht mehr.
- Was ist ein „Sektor-ETF" und wann braucht man ihn?
- Ein Sektor-ETF investiert nur in eine einzelne Branche (Technologie, Gesundheit, Rüstung, ESG). Er ergänzt einen breit gestreuten ETF, ersetzt ihn aber nicht. Ein vernünftiger Anteil von Sektor-ETFs im Portfolio liegt bei höchstens 5–15 %. Einsetzen sollten Sie sie nur, wenn Sie verstehen, worin und wozu Sie investieren.
- Was ist ein regelmäßiger Kauf (Sparplan / DCA)?
- Ein Sparplan ist der automatische Kauf eines ETF über einen festen Betrag in regelmäßigen Abständen (meist monatlich). Das Konzept heißt Dollar-Cost-Averaging (DCA): Sie kaufen mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger, wenn sie hoch sind. Das nimmt die Frage „Wann soll ich kaufen?" aus Ihren Entscheidungen heraus und glättet das Ergebnis. Der einfachste und wirksamste Ansatz für Einsteiger.
- Kann man auch einmalig (eine große Summe auf einmal) investieren?
- Ja, und statistisch bringt das oft ein besseres Ergebnis, als die Summe aufzuteilen (weil die Märkte im Durchschnitt steigen). Doch psychologisch ist es schwieriger: Fällt der Markt eine Woche nach Ihrem Kauf, fällt Ihnen das seelisch schwerer. Ein Kompromiss: die Summe auf 3–6 Teile aufteilen und monatlich kaufen. Das verschlechtert das langfristige Ergebnis nur geringfügig, gibt aber psychologische Stabilität.
Risiken und Realität
- Kann mein ETF pleitegehen?
- Als Struktur – praktisch nicht. Das Fondsvermögen wird getrennt von der Verwaltungsgesellschaft verwahrt (bei einer Verwahrstelle), und selbst wenn etwa BlackRock oder Vanguard insolvent würde, blieben Ihre ETF-Anteile Ihre. Reale Risiken sind: (1) ein Markteinbruch um 30–50 % innerhalb eines Jahres – das ist vorgekommen und wird wieder vorkommen; (2) die Schließung eines kleinen ETF (AUM < 100 Mio. €) mit möglichen steuerlichen Folgen.
- Was tun, wenn der Markt fällt?
- Nichts. Wenn Sie einen breit gestreuten Welt-ETF gekauft haben – führen Sie Ihren Sparplan planmäßig fort. Markteinbrüche sind ein vorübergehendes Phänomen: Historisch hat sich der breite Aktienmarkt nach jeder Krise wieder erholt – der S&P 500 etwa hat über die Jahrzehnte Dutzende Einbrüche durchlebt und anschließend neue Höchststände erreicht. Der größte Fehler von Einsteigern ist es, in Panik am Tiefpunkt zu verkaufen. Wenn Sie der Rückgang beunruhigt, schauen Sie für einige Monate nicht ins Portfolio.
- Welche durchschnittliche Rendite sollte man von einem Aktien-ETF erwarten?
- Langfristig (10+ Jahre) brachten breit gestreute Welt-ETFs 7–10 % pro Jahr nominal und etwa 5 % nach Inflation. Das ist die durchschnittliche Rendite – in einzelnen Jahren kann sie auch −30 % oder +35 % betragen. Orientieren Sie sich nicht an der Rendite der letzten 1–3 Jahre (2023–2025 waren mit etwa 20 %/Jahr ungewöhnlich hoch – das ist nicht die Norm, sondern eine Erholung nach 2022).
Über Strean
- Ist Strean ein Finanzberater?
- Nein. Strean ist eine Bildungsplattform: Wir erklären, wie ETFs, Steuern und Märkte funktionieren. Wir geben keine individuellen Empfehlungen, „wo Sie Ihr Geld anlegen sollen", und erhalten keine Provision von Brokern oder ETF-Anbietern. Für individuelle Entscheidungen wenden Sie sich an einen lizenzierten Finanzberater. Wichtig: Suchen Sie nach einem Honorar-Finanzanlagenberater – das sind Berater, die gegen ein festes Honorar von Ihnen arbeiten und keine Provisionen von den Anbietern der Finanzprodukte erhalten. Gewöhnliche „Finanzberater" in Deutschland erhalten meist eine Provision von Versicherungen und Fonds, was einen Interessenkonflikt schafft – sie neigen dazu, jene Produkte zu empfehlen, für die sie mehr bezahlt bekommen, und nicht jene, die für Sie am besten sind.
- In welchen Sprachen ist Strean verfügbar?
- Strean ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Alle Artikel, Seiten und Werkzeuge sind in beide Sprachen übersetzt. Den Sprachumschalter finden Sie oben rechts auf der Website. Die Hauptzielgruppe sind europäische Einsteiger, besonders in Deutschland.