ETF-Sparplan: Ab welchem Betrag – und wann er sich wirklich lohnt

2026-06-02

Dieser Artikel richtet sich an Anleger in Deutschland — Steuerregeln und Broker-Beispiele gelten entsprechend.

Kurz gesagt: Es gibt keinen magischen Mindestbetrag. Viele Broker erlauben ETF-Sparpläne ab 1 €, sinnvoll startet man oft bei 25–50 € im Monat. Viel wichtiger als die Höhe ist, dass Sie den Betrag dauerhaft durchhalten – und dass Sie verstehen, dass sich der eigentliche Effekt erst nach vielen Jahren zeigt. Unten rechnen wir das mit echten Zahlen durch.

Ab welchem Betrag lohnt sich ein ETF-Sparplan?

Die ehrliche Antwort: fast jeder Betrag „lohnt“ sich, weil das Geld arbeitet, statt auf dem Konto an Wert zu verlieren. Die Frage ist eher, ab wann sich der Aufwand für Sie lohnt.

Bei den meisten BaFin-regulierten Brokern in Deutschland liegt der Mindestbetrag für einen Sparplan bei 1 € bis 25 €. Technisch können Sie also mit sehr kleinen Beträgen starten. Die größere Frage ist nicht „ab wann darf ich“, sondern „ab wann bringt es spürbar etwas“.

Eine verbreitete Faustregel lautet: 10–20 % des Nettoeinkommens. Aber diese Regel hilft Einsteigern wenig, wenn das Budget knapp ist. Sinnvoller ist ein Betrag, den Sie auch in einem schlechten Monat nicht antasten müssen. Lieber dauerhaft 50 € als für drei Monate 200 € und dann Abbruch.

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Warum kleine Beträge nicht „zu klein“ sind

Viele Anfänger denken, mit 25 oder 50 € im Monat lohne sich der Aufwand nicht. Die Zahlen sagen etwas anderes. Bei einer angenommenen langfristigen Rendite von 6 % pro Jahr (ein realistischer, aber nicht garantierter Durchschnitt für einen breit gestreuten Aktien-ETF) ergibt sich über 15 Jahre:

  • 25 €/Monat → rund 7.270 € (eingezahlt: 4.500 €)
  • 50 €/Monat → rund 14.540 € (eingezahlt: 9.000 €)
  • 100 €/Monat → rund 29.080 € (eingezahlt: 18.000 €)

Der Unterschied zwischen eingezahltem Geld und Endbetrag ist der Zinseszins – und der wächst mit der Zeit, nicht mit der Höhe der Rate.

Ein konkretes Beispiel: das Studium des Kindes

Stellen Sie sich vor, Ihr Kind kommt gerade in die Schule, und Sie möchten in etwa zwölf Jahren – wenn es Richtung Universität geht – ein Polster aufgebaut haben. Zwölf Jahre sind ein fast idealer Anlagehorizont: lang genug, damit der Zinseszins wirkt, aber überschaubar.

Bei 6 % pro Jahr ergibt sich über 12 Jahre:

  • 50 €/Monat → rund 10.500 €
  • 150 €/Monat → rund 31.500 €
  • 200 €/Monat → rund 42.000 €

Oder umgekehrt gedacht: Wenn Sie ein bestimmtes Ziel haben, können Sie die nötige Rate ausrechnen. Für 30.000 € in zwölf Jahren bräuchten Sie etwa 143 € im Monat. Für 40.000 € rund 190 € im Monat.

Wichtig dabei: Je näher das Ziel rückt (etwa die letzten zwei bis drei Jahre vor dem Studienbeginn), desto sinnvoller kann es sein, schrittweise in stabilere Anlagen umzuschichten – damit ein Markteinbruch kurz vor dem Ziel nicht alles trifft. Ein reiner Aktien-ETF kann zwischenzeitlich 30–40 % verlieren.

Ab wann „lohnt“ sich der Sparplan zeitlich?

Das ist die vielleicht ehrlichste Frage – und die Antwort überrascht viele. Hier ein Sparplan mit 100 €/Monat bei 6 % pro Jahr, aufgeschlüsselt nach Jahren:

  • Nach 1 Jahr: 1.234 € (davon nur 34 € Wachstum)
  • Nach 5 Jahren: 6.977 € (977 € Wachstum – 16 % der Einzahlungen)
  • Nach 10 Jahren: 16.388 € (4.388 € Wachstum – 37 %)
  • Nach 12 Jahren: 21.015 € (6.615 € Wachstum – 46 %)
  • Nach 15 Jahren: 29.082 € (11.082 € Wachstum – 62 %)

In den ersten Jahren besteht Ihr Vermögen fast nur aus Ihren eigenen Einzahlungen. Der Zinseszins wird erst nach acht bis zehn Jahren zur treibenden Kraft. Das ist der eigentliche Grund, warum ein ETF-Sparplan eine langfristige Sache ist: Wer nach drei Jahren enttäuscht aufgibt, sieht den eigentlichen Effekt nie.

Nicht nur für junge Leute

Ein verbreitetes Missverständnis: Ein Sparplan lohne sich nur, wenn man jung ist. Das stimmt nicht – entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Zeithorizont. Und der ist mit 55 oft länger, als man denkt.

Wer mit 55 anfängt und mit 67 in Rente geht, hat zwölf Jahre vor sich – genau der Horizont aus dem Beispiel oben. Dieselben 100–150 € im Monat wirken genauso. Bei 6 % pro Jahr ergibt sich etwa:

  • 100 €/Monat über 12 Jahre → rund 21.000 €
  • 150 €/Monat über 10 Jahre → rund 24.600 €

Und wenn das Geld gar nicht für die eigene Rente gedacht ist, sondern für Kinder oder Enkel, verlängert sich der Horizont auf 20 Jahre und mehr – der Zinseszins wird dann zur treibenden Kraft:

  • 100 €/Monat über 20 Jahre → rund 46.200 € (eingezahlt 24.000 €)
  • 100 €/Monat über 25 Jahre → rund 69.300 € (eingezahlt 30.000 €, Wachstum über 39.000 €)

Es ist fast nie zu spät, anzufangen. Wichtig ist nur dasselbe Prinzip wie für alle: Je näher der Zeitpunkt rückt, an dem Sie das Geld brauchen – ob mit 30 zwei Jahre vor dem Ziel oder mit 65 kurz vor der Rente – desto sinnvoller ist es, schrittweise in stabilere Anlagen umzuschichten.

Was Sie nicht vergessen sollten

Die Zahlen oben gehen von 6 % pro Jahr aus. Das ist kein Versprechen. Die Realität schwankt: In einem schwachen Jahrzehnt sind es vielleicht 2 % pro Jahr (dann werden aus dem 12-Jahres-Beispiel statt 21.000 € nur rund 16.300 €), in einem starken 8 % (dann rund 24.000 €). Niemand kennt die Zukunft – deshalb plant man mit Vorsicht und einem langen Horizont.

Außerdem fallen in Deutschland Steuern an: Auf Kursgewinne und Ausschüttungen die Abgeltungsteuer (25 % plus Solidaritätszuschlag), abgemildert durch die Teilfreistellung von 30 % bei Aktien-ETFs und den Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr. Diese Details ändern nichts am Grundprinzip, aber sie gehören in eine ehrliche Rechnung.

Fazit

Es gibt keinen Mindestbetrag, ab dem sich ein ETF-Sparplan „lohnt“ – es gibt nur einen Betrag, den Sie durchhalten, und einen Zeithorizont, der lang genug ist. Fangen Sie lieber klein und regelmäßig an, als auf den „perfekten“ Moment oder die „richtige“ Summe zu warten. Die Zeit im Markt zählt mehr als der Betrag.