Altersvorsorgedepot ab 2027: einfach erklärt — und ist es das Richtige für Sie?
2026-06-10
Ab 2027 gibt es in Deutschland eine neue staatlich geförderte Altersvorsorge: das Altersvorsorgedepot. Es ersetzt die Riester-Rente und funktioniert anders als das meiste, was es bisher gab — Sie sparen in ETFs und Fonds, und der Staat legt Geld obendrauf. Das Gesetz dahinter (das Altersvorsorgereformgesetz) wurde am 27. März 2026 vom Bundestag beschlossen und am 8. Mai 2026 vom Bundesrat gebilligt. Starten soll es am 1. Januar 2027.
Dieser Artikel erklärt in einfacher Sprache, was das Altersvorsorgedepot ist, wie es sich von einem normalen ETF-Sparplan unterscheidet — und, ehrlich, für wen es sich lohnt und für wen eher nicht.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein Wertpapierdepot speziell für die Altersvorsorge. Sie zahlen regelmäßig ein, das Geld wird in ETFs oder Fonds investiert, und der Staat fördert Ihre Einzahlungen mit Zulagen und Steuervorteilen.
Anders als bei der alten Riester-Rente gibt es keinen Zwang zu einer Beitragsgarantie. Sie dürfen also zu 100 % in einen Aktien-ETF investieren, wenn Sie möchten — was über lange Zeiträume die besseren Renditechancen bietet. Wer mehr Sicherheit bevorzugt, kann auch eine Variante mit Teil- oder Vollgarantie wählen — allerdings hat Sicherheit ihren Preis: Wer den Kapitalmarkt absichert, hält einen größeren Teil in renditeärmeren Anlagen und verzichtet damit auf einen Teil der langfristigen Renditechance.
Erlaubt sind im Depot UCITS-ETFs, aktiv gemanagte Fonds und EU-Staatsanleihen. Nicht erlaubt sind Einzelaktien, Kryptowährungen und Derivate.
Der Unterschied zum normalen ETF-Sparplan
Den klassischen ETF-Sparplan im freien Depot kennen vielleicht schon einige. Der entscheidende Unterschied:
- Beim freien ETF-Depot investieren Sie Ihr eigenes Geld, kommen jederzeit dran, zahlen aber jedes Jahr die Vorabpauschale und beim Verkauf die Abgeltungsteuer.
- Beim Altersvorsorgedepot legt der Staat Geld dazu, und in der Ansparphase fällt keine Steuer an — dafür ist Ihr Geld bis zum Rentenbeginn gebunden.
Kurz gesagt: mehr Förderung und Steuervorteil, dafür weniger Flexibilität.
Was Sie bekommen — die drei Vorteile
1. Grundzulage bis 540 € pro Jahr. Der Staat gibt 50 % auf Ihre Einzahlungen bis 360 € und 25 % auf weitere Einzahlungen bis 1.800 €. Wer also 1.800 € im Jahr einzahlt, bekommt 540 € obendrauf.
2. Kinderzulage bis 300 € pro Kind und Jahr. Hier gibt der Staat 100 % auf Ihren Eigenbeitrag bis 300 € — Ihr Beitrag wird also verdoppelt. Besonders attraktiv für Eltern mit kleineren Beiträgen.
3. Steuervorteil. In der Ansparphase zahlen Sie weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale — Ihr Geld wächst ungestört. Erst bei der Auszahlung im Rentenalter wird besteuert (nachgelagerte Besteuerung), in der Regel zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz als heute. Zusätzlich können Einzahlungen bis 1.800 € als Sonderausgaben Ihre laufende Einkommensteuer senken.
Für wen lohnt es sich — und für wen nicht?
Hier wird es ehrlich, denn ein Altersvorsorgedepot ist kein kostenloses Mittagessen.
Es passt gut, wenn …
- Sie ohnehin langfristig fürs Alter sparen und das Geld bis zur Rente nicht brauchen,
- Sie die Zulagen mitnehmen möchten — gerade mit Kindern lohnt sich das deutlich,
- Sie Wert auf den Steuervorteil und den Wegfall der Vorabpauschale legen.
Es passt eher nicht, wenn …
- Sie früher an Ihr Geld müssen könnten — im Altersvorsorgedepot ist das Kapital bis zum Rentenbeginn gebunden, eine vorzeitige Kündigung ist nicht vorgesehen,
- Sie maximale Flexibilität wollen,
- Sie noch keinen Notgroschen haben. Der gehört zuerst aufgebaut, bevor Geld langfristig gebunden wird.
Für viele ist die Kombination am sinnvollsten: zuerst ein freier, flexibler ETF-Sparplan für mittelfristige Ziele — und das Altersvorsorgedepot zusätzlich für den langfristigen Renten-Teil. Es ist kein Entweder-oder.
Und ein letzter ehrlicher Hinweis zu den Kosten: Das staatliche Standardprodukt darf höchstens 1 % pro Jahr kosten. Achten Sie trotzdem genau auf die Gebühren — 1 % über 30 Jahre kostet spürbar Rendite. Anbieter mit kostenlosen ETF-Sparplänen sind hier klar im Vorteil.
Und wenn die Rente schon näher rückt — mit 40, 50 oder 60?
Eine berechtigte Frage: Lohnt sich ein Altersvorsorgedepot überhaupt noch, wenn bis zur Rente nicht mehr viele Jahre bleiben?
Der größte Vorteil eines Aktien-ETFs ist der lange Zeithorizont — Zeit, in der der Zinseszins wirkt und in der sich Kursrückgänge wieder aufholen lassen. Mit 30 Jahren bis zur Rente hat ein vorübergehender Crash Zeit, sich zu erholen; mit 60 deutlich weniger. Deshalb sieht das Modell vor, dass das Kapital in den letzten Jahren vor der Rente automatisch schrittweise aus Aktien in sicherere Anlagen umgeschichtet wird.
Das heißt aber nicht, dass es sich näher an der Rente nicht mehr lohnt. Die Zulagen und der Steuervorteil wirken in jedem Alter — die bis zu 540 € Förderung pro Jahr sind unabhängig vom Anlagehorizont attraktiv. Als grobe Orientierung: Je näher Sie an der Rente sind, desto stärker zählt die staatliche Förderung — und desto vorsichtiger sollte Ihre Aktienquote ausfallen, weil weniger Zeit bleibt, Schwankungen auszusitzen.
Und jetzt?
Das Altersvorsorgedepot startet erst 2027 — aber der Zinseszins startet, sobald Sie anfangen. Wenn Sie noch unsicher sind, welche Aufteilung überhaupt zu Ihrer Situation passt, können Sie das mit unserem kostenlosen Fragebogen in wenigen Minuten herausfinden — ohne Anmeldung, ohne Werbung, ohne Provision.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Die gesetzlichen Details werden bis zum Start am 1. Januar 2027 noch konkretisiert und können sich ändern.